Strom vom eigenen Dach, Wärme aus der eigenen Wärmepumpe — kaum eine Kombination senkt die Energiekosten eines Hauses so wirkungsvoll. Aber sie wirft auch Fragen auf: Wie viel Solarstrom deckt die Heizung wirklich? Wie groß muss die Anlage sein? Und was gibt es 2026 an Förderung? Die ehrlichen Antworten, ohne Schönrechnerei.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom rund 3 bis 4 kWh Wärme — mit eigenem Solarstrom heizt sie konkurrenzlos günstig
- Übers Jahr deckt die PV-Anlage realistisch 30–50 % des Wärmepumpenstroms — der Winter bleibt Netzstrom-Zeit
- Faustregel: PV-Anlage 2–4 kWp größer planen, Wärmepumpe mit SG-Ready-Schnittstelle wählen
- Förderung: KfW-Heizungsförderung 30–80 % Zuschuss für die Wärmepumpe (max. 22.400 €, Konditionen seit 21.07.2026 verschlechtert) + 0 % MwSt auf die PV-Anlage
Warum die Kombination so gut rechnet
Der Trick liegt im Wirkungsprinzip der Wärmepumpe: Sie erzeugt Wärme nicht direkt aus Strom, sondern nutzt ihn, um Umgebungswärme ins Haus zu pumpen — aus einer Kilowattstunde Strom werden so drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Kommt diese Kilowattstunde für effektiv unter 10 Cent vom eigenen Dach statt für 30–40 Cent aus dem Netz, heizt die Wärmepumpe zu einem Bruchteil der Kosten einer Gas- oder Ölheizung. Gleichzeitig steigt der Eigenverbrauch der PV-Anlage deutlich — beide Systeme machen sich gegenseitig wirtschaftlicher.
Die ehrliche Zahl: Wie viel Solarstrom deckt die Wärmepumpe?
Hier trennt sich seriöse Beratung von Verkaufsprospekten: Übers Jahr gerechnet liefert die PV-Anlage realistisch 30 bis 50 Prozent des Wärmepumpenstroms. Im Sommer (Warmwasser) fast alles, in der Übergangszeit viel — im tiefen Winter, wenn die Heizung am meisten braucht, wenig. Volle Unabhängigkeit gibt es nicht (siehe Autarkiegrad), aber jede solar erzeugte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom. Mit Speicher und intelligenter Steuerung lässt sich die Quote spürbar nach oben schieben.
So wird die Kombi richtig geplant
- PV größer dimensionieren: Eine Wärmepumpe braucht im Einfamilienhaus 3.000–5.000 kWh Strom pro Jahr — planen Sie die Anlage 2–4 kWp größer und nutzen Sie das Dach voll aus
- SG Ready ist Pflicht: Über die SG-Ready-Schnittstelle heizt die Wärmepumpe bevorzugt dann, wenn die Sonne Überschuss liefert — etwa indem sie mittags den Pufferspeicher auflädt
- Steuerung mitdenken: Ein Energiemanagementsystem orchestriert Wärmepumpe, Speicher und ggf. Wallbox — erst damit holt die Kombi ihr volles Potenzial
- Reihenfolge ist flexibel: PV zuerst, Wärmepumpe zuerst oder beides zusammen — wichtig ist nur, die jeweils andere Komponente bei der Auslegung schon einzuplanen
Förderung 2026: Hier liegt richtig Geld
Die Kombination erschließt zwei getrennte Fördertöpfe:
- Wärmepumpe — KfW-Heizungsförderung (Programm 458): 30 % Grundförderung, dazu 16 % Klimageschwindigkeitsbonus und je nach Haushaltseinkommen bis zu 40 % Einkommensbonus — maximal 80 % Zuschuss. Förderfähig sind seit dem 21. Juli 2026 höchstens 28.000 € pro Wohneinheit im Einfamilienhaus, also bis zu 22.400 € Zuschuss. Was sich am 21. Juli 2026 geändert hat: Der Klimageschwindigkeitsbonus sank von 20 auf 16 %, der Effizienzbonus ist ersatzlos entfallen, und die förderfähigen Kosten wurden von 30.000 auf 28.000 € gekürzt. Für einen typischen Haushalt ohne Einkommensbonus sind das rund 2.000 € weniger Zuschuss als noch im Frühjahr — und ab Februar 2027 sinkt der Klimageschwindigkeitsbonus halbjährlich um weitere 4 Prozentpunkte. Wer den Heizungstausch ohnehin plant, fährt mit einer frühen Antragstellung besser
- PV-Anlage: 0 % Mehrwertsteuer, steuerfreie Erträge, Einspeisevergütung — alle Details in unserem Ratgeber zur PV-Förderung in Bayern
Der Förderantrag für die Wärmepumpe läuft über das KfW-Portal und muss vor der Beauftragung gestellt werden — mit einem Lieferanten- oder Fachbetriebsvertrag mit aufschiebender Bedingung als Grundlage.
Für wen lohnt sich die Kombination?
Am stärksten rechnet sie sich für Haushalte mit ohnehin anstehendem Heizungstausch, gutem Dach und Tagesverbrauch im Haus. Aber auch wer die Wärmepumpe erst in einigen Jahren plant, sollte die PV-Anlage heute schon darauf auslegen — nachträglich Module ergänzen ist teurer als gleich richtig dimensionieren. Und selbst ohne Wärmepumpe bleibt die große Anlage sinnvoll: Der Überschuss wird vergütet, und künftige Verbraucher wie ein E-Auto freuen sich.
Häufige Fragen
Kann eine Wärmepumpe komplett mit Solarstrom laufen?
Übers Jahr nein — realistisch sind 30–50 % Deckung, weil der Wärmebedarf im Winter am höchsten und der Solarertrag dann am niedrigsten ist. Die Kombination lohnt sich trotzdem: Jede eigene Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom.
Wie viel größer muss die PV-Anlage mit Wärmepumpe sein?
Faustregel: 2–4 kWp zusätzlich zum Haushaltsbedarf, da die Wärmepumpe 3.000–5.000 kWh Strom pro Jahr benötigt. Am besten das Dach voll belegen — größere Anlagen sind pro kWp günstiger.
Welche Förderung gibt es 2026 für Wärmepumpe plus PV?
Für die Wärmepumpe die KfW-Heizungsförderung 458: 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus und bis zu 40 % Einkommensbonus, maximal 80 % — bei höchstens 28.000 € förderfähigen Kosten also bis zu 22.400 € Zuschuss (Stand seit 21.07.2026). Die PV-Anlage profitiert von 0 % Mehrwertsteuer, steuerfreien Erträgen und der Einspeisevergütung.
Was bedeutet SG Ready bei der Wärmepumpe?
Eine standardisierte Schnittstelle, über die die PV-Anlage bzw. das Energiemanagement die Wärmepumpe ansteuern kann — sie heizt dann bevorzugt bei Sonnenüberschuss. Beim Neukauf auf das SG-Ready-Label achten.